Einfach machen: Zwei Fairänderinnen in Zürich

Hast du auch schon mal gedacht: Diese Idee muss ich einfach umsetzen! Meistens fehlt uns leider der Mut, es einfach mal zu probieren. Michèle und Faina haben es getan und mit „Fairändern“ ihren eigenen Laden in Zürich Altstetten eröffnet. In diesem Interview erfährst du, was sie erreichen wollen und wie sie Menschen für einen nachhaltigeren und gerechteren Lebensstil inspirieren möchten.

Von Olivia Grubenmann

Was macht ihr bei Fairändern?

Faina & Michèle: Bei Fairändern bedrucken wir bereits getragene Kleidungsstücke mit Statements aus den Bereichen Tierrecht, Menschenrecht und Umweltschutz. Die Leute können ihre eigenen Kleidungsstücke mitbringen oder Secondhand-Kleidung bei uns erwerben und bedrucken lassen.

Zudem findet man bei uns eine Auswahl an Schuhen, die auf Materialien tierischen Ursprungs verzichten und rein pflanzliche Kosmetika in Bioqualität. In einem weiteren Schritt planen wir Schulungen anzubieten, die Themen zu einer nachhaltigen Lebensgestaltung aufgreifen sollen.

Was wollt ihr erreichen?

Uns geht es in erster Linie darum, die Menschen anzuregen, ihr Konsumverhalten zu überdenken. In der Textilindustrie wird durch die immensen Produktionen sehr viel Wasser verbraucht, Monokulturen betrieben, Pestizide und andere Schadstoffe ausgestossen, Menschenrechte durch prekäre Arbeitsbedingungen arg beschnitten und Tiere getötet und ausgebeutet.
Durch den Kauf von Secondhandkleidung kann man ein Zeichen gegen diese Verschwendung und Missstände setzen und Leid und Zerstörung minimieren.

In der Schuhproduktion herrschen meist dieselben Bedingungen vor wie in der Kleiderindustrie. Die schädlichen Auswirkungen der Lederproduktion durch Gerbstoffe und andere Chemikalien auf die Umwelt sind immens. Durch unsere Auswahl an Schuhen, die wir von unserem Partner Aesthetical in Kommission haben, wollen wir zeigen, dass hübsche Schuhe auch ohne Leder auskommen.

 

Wie seid ihr auf die Idee mit den Aufdrucken gekommen?

Als Tierrechtsaktivistinnen bestellten wir ab und an Kleidungen mit Aufdrucken aus dem Ausland, da es keinen lokalen Versand gab. Diese passte dann von der Grösse her oft nicht oder man konnte sie zwar zu Demos tragen, aber nicht unbedingt im Alltag, da die Aufschriften je nach Arbeitsort zu augenfällig waren.
Da wir uns auch mit unserem eigenen Konsumverhalten kritisch auseinanderzusetzen begannen, kamen wir auf die Idee, Secondhandkleidung zu bedrucken. Dies hat – nebst der Nachhaltigkeit – den Vorteil, dass jedes Stück ein Unikat ist und eben beispielsweise auch ein Hemd oder eine Kravatte fürs Büro dezent bedruckt werden können.

Was ist euer grösstes Anliegen?

Unser Anliegen ist es, dass die Menschen bewusste Konsumentscheidungen treffen. Der Konsument trägt eine Fairantworung für seine Entscheidungen und bewirkt damit etwas. Nebst dem bewussteren Konsumieren geht es uns klar auch ums weniger Konsumieren. Es geht darum, seine Bedürfnisse zu erkennen und sich zu fragen, wie diese erfüllt werden können.

„Jeder Kassenzettel ist ein Abstimmungszettel!“

Wir leben in einer Welt mit begrenzten Ressourcen – die Wirtschaft, der Kapitalismus, suggerieren uns aber, dass ein unendliches Wachstum möglich ist. Wie soll das gehen? Auch das Geiz-ist-geil-Syndrom ist höchst gefährlich und ausbeuterisch.

„Denn immer dann, wenn jemand etwas “günstig” erwirbt, bezahlt ein anderes Lebewesen oder die Natur den Preis dafür. „

Wer lebt, hinterlässt (Fuss)abdrücke. Uns geht es darum, diese möglichst klein zu halten, um Leid zu vermeiden, wann immer möglich. Jeder Einzelne kann etwas fairändern und muss nicht erst auf politische Entscheide – die natürlich dringend nötig sind – warten und hoffen.

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Auswahl an rein pflanzlicher Kosmetika

Habt ihr Empfehlungen für einen nachhaltigeren Lifestyle? Zum Beispiel Bücher oder Filme?

Hier möchten wir vorwegnehmen, dass es uns um mehr geht als um “Lifestyle”. Dieser Begriff impliziert einen Trend. Veganismus wird oftmals auch als solchen hingestellt. Trends sind aber kurzlebig. Uns geht es um Nachhaltigkeit. So ist es wichtig, dass man sich – nebst der Neugier für Neues und für andere Genusserlebnisse – auch mit den Hintergründen der Bewegung auseinandersetzt, also den ethischen Aspekten. Diese beziehen sich natürlich auf die Tiere und die Umwelt, aber auch auf die Menschen.

Filme/Videos:

Bücher/Artikel:

  • Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Hunde anziehen (Dr. M. Joy.)
  • Beyond beliefs (Dr. M. Joy)
  • Tieretik (F. Schmitz)
  • Animal Liberation (Peter Singer)
  • Zoopolis (Sue Donaldson, Will Kymlicka)
  • Vegan-Klischee ade! (Niko Rittenau)
  • Tiere Essen (J. Safran Foer)
  • How not to die (Dr. M. Greger)
  • Wir sind das Klima (J. Safran Foer)

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