„Freiheit ist die grösste Sicherheit“

Wie kann man mit Social Media Leute begeistern? Wie findet man seine Leidenschaft? Wie schreibt man ein Buch? Ich habe mich mit der Freelancerin Monika Kanokova unterhalten und viel Spannendes gelernt: Über Social Media, übers Schreiben, über Kickstarter und übers „einfach machen“.

Von Olivia Grubenmann

Die Wienerin Monika Kanokova berät Unternehmen, Startups und Leute wie mich und dich in Sachen Kommunikation, Social Media und Onlineauftritt. Ausserdem ist sie die Autorin der Bücher This Year Will Be Different, My Creative (Side) Business und bald auch Work Trips and Road Trips: einer Serie von Guides für kreative Freelancer. Perfekt für alle, die gerne selbstständig werden möchten, eine Orientierungshilfe in der Kreativindustrie suchen, oder endlich ein Projekt umsetzen wollen.

Du bist ja sehr gewandt was Instagram und Co angeht. Wie kann man Social Media für sich nutzen?

Wenn du möchtest, dass dir Menschen folgen, bietest du eine sinnvolle Serviceleistung. Diese ganze Selbstdarstellung: Ich halte es für die wenigsten Menschen sinnvoll mir zu folgen, denn wenn du dir Social Media anschaust und du nur die halbe Geschichte siehst, dann verunsichert dich das.

Du folgst Vorbildern die dir einen Ansporn geben, wo du das Gefühl hast, das kann ich auch schaffen. Für mich persönlich ist Instagram zu einem Reminder geworden, dass man jeden Tag nach etwas Schönem suchen sollte im eigenen Alltag.

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Also, eigentlich sollte man über Social Media eine Serviceleistung anbieten?

Es hängt davon ab, was man erreichen möchte. Will man mehr Follower haben, sollte man eine Serviceleistung bieten. Etwas, wovon andere Menschen profitieren. Möchte man wachsen, sollte man den Menschen folgen, die einen zum besser werden motivieren.

Das Internet ist ein bisschen wie eine Wunschliste. Du kannst Menschen finden, die sich für die gleichen Dinge interessieren wie du. Man hat immer gesagt: die fünf Menschen mit welchen du die meiste Zeit verbringst, sind ein Spiegel dessen, wo du im Leben gerade stehst. Im Prinzip kannst du genau so deine Onlinewelt gestalten. Du kannst dich mit den Leuten umgeben, mit welchen du assoziiert werden möchtest.

„Das Internet ist ja eigentlich noch sehr jung. Es liegt in unseren Händen, was wir aus dem Internet machen.“

Wie kann man denn seine Leidenschaft verfolgen? So oft geht das doch im Alltag unter.

Ich mache mich mit der folgenden Antwort regelmässig unbeliebt. Angenommen jemand möchte Gitarre spielen. Will die Person dann Gitarre spielen? Oder mag die Person das Image einer Person, die Gitarre spielt? Wenn diese Person Gitarre spielen will, dann ist es eine Priorität und sie wird sich die Zeit dafür nehmen. Wenn diese Person aber eher als eine Person gesehen werden möchte, die Gitarre spielt, wird es viel schwieriger Gitarre spielen zur Priorität zu machen.

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Du hast ja bereits mehrere Bücher geschrieben. Wie sind diese entstanden?

Ich habe relativ kurzfristig meinen Job gekündigt und es war klar, ich brauche aus persönlichen Gründen Arbeit, die Flexibilität erlaubt. Selbständig zu werden, schien der richtige Weg zu sein doch war mir selbst nicht so klar, welche Services ich anbieten könnte bzw. wie das überhaupt geht. Da ich selbst immer schon ein Buch produzieren wollte, entschied ich mich kurzerhand mir selbst und womöglich dadurch auch anderen zu helfen.

„Es geht immer um deine Reaktion auf Dinge. In anderen Worten: Siehst du dich als ein Opfer oder erkennst du, dass Komplikationen zeitgleich eine neue Möglichkeit sind.“

Der Titel war für mich sehr schnell klar: This Year Will Be Different , denn sobald du dich entscheidest den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, wird dein Jahr automatisch anders. Die Deadline war somit auch klar. Das Buch musste in der ersten Januarwoche publiziert werden!

Als meine Illustratorin sich entschuldigte, sie würde ihre Deadline nicht schaffen, hieß es, eine andere Lösung zu finden, um tatsächlich allen von dem Projekt erzählen zu können. Nur, was machst du, wenn du ein 80% fertiges Buch hast?! Du gehst auf Kickstarter.

Jedes Buch, ob TYWBD, MCFSB oder WTART (Die drei Buchttitel abgekürzt) sind alle aus einer Frage heraus entstanden, die mich im Bezug auf die Selbständigkeit beschäftigt hat und ich freue mich, dass andere diese genauso hilfreich finden wie ich.

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Zu Kickstarter: Kann ein Projekt in die Hose gehen?

So würde ich es nie sagen. Ich habe zu jedem gesagt, dass man immer gewinnt. Nur eben nicht immer das Geld. Man erlebt in den 30 Tagen eine steile Lernkurve, auch wenn man das Projektziel nicht erreicht. Sollte dies passieren, kann man immer noch entscheiden, ob man das Projekt relaunchen will oder nicht. Wenn man das Projektziel nicht erreicht, zieht Kickstarter das Geld von den Konten der Unterstützer nie ein und somit ist man als Projektgründer auch zu nichts verpflichtet.

Wie kann man heutzutage ein Buch veröffentlichen?

Man kann natürlich den traditionellen Weg gehen und sich bei einem Verlag bewerben, oder man kann das Buch einfach selbst veröffentlichen. Das Internet bietet jedem alle nötigen Werkzeuge dazu. Es gibt viele Menschen, die auf eine Erlaubnis oder die perfekten Rahmenbedingungen warten. Nur: Die gibt es nicht und wird es auch nie geben.

„Es ist 2017: Es gibt keine wirklichen Hürden mehr, keine Gatekeeper. Die Leute, die heute vorankommen, sind die Menschen, die machen.“

Sollte es jemanden in Detail interessieren, wie man ein Buch heutzutage selbst veröffentlichen kann, habe ich dazu ein Skillshare Webinar aufgenommen: http://skl.sh/2kqH0K0

Und was wenn man auf die Nase fällt?

Es gibt kein „auf die Nase fallen.” Und auch wenn, was soll’s? Es ist alles ein Entwicklungsprozess. Man lernt dazu. Man wird besser. Man entwickelt sich.

Während des Studiums hatte ich alle möglichen und unmöglichen Nebenjobs. Ich war im Verkauf, habe gekellnert, ich habe sogar ein Coffee Cup Kostüm bei einem Promotionjob angehabt. In dem Moment hätte man über mich urteilen können, heute würde kein Mensch auf die Idee kommen, sich zu denken, ich hätte je so eine Tätigkeit verrichtet. Ich bin froh, all diese Dinge erlebt zu haben, denn ich kann auf sie Bezug nehmen. Ausserdem gibt es einem eine andere Perspektive. Dieses Wachstum, diese Hürden sind wichtig, auch wenn man in dem Augenblick alles dafür geben würde, diese Momente zu überspringen.

Was ist dir wichtiger: Freiheit oder Sicherheit?

Die Freiheit ist die Sicherheit. Freiheit ist die größte Sicherheit, die du hast, denn wenn etwas nicht funktioniert, kannst du sagen: So nicht mehr! Du kannst gehen und etwas anderes machen.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Monika!

Beitragsbild: Monika Kanokova

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