3 Tage into the wild

Wildcampieren? In der Schweiz eigentlich verboten. Laura (27) hat es trotzdem gemacht: 3 Tage und 3 Nächte war sie ganz alleine mit Zelt und Rucksack im Jura unterwegs. Uns hat sie davon berichtet: Zum Beispiel von einem schreckeinflössenden, nächtlichen Besuch.

Von Angelika Imhof

Laura, was für eine Strecke bist du genau gelaufen?

Ich war auf dem Jura-Höhenweg unterwegs. Das ist eine der nationalen Routen (Nr. 5) von SchweizMobil. Sie verläuft in einem grosszügigen Bogen von Zürich bis Genf. Ich habe natürlich nur einen Streckenabschnitt von dieser Tour gemacht und bin von La Corbatière bis Môtiers gelaufen.

Warum bist du ganz alleine losgezogen?

Ich bin eine Person die sonst eigentlich sehr oft und sehr gern unter Leuten ist. Aber genau deshalb tat es so gut, einfach mal nur mit sich selbst zusammenzusein. Es war ein sehr gutes Gefühl zu wissen, dass ich im Prinzip alles, was ich brauchte, auf mir trug und ich nur so weit gehen musste, wie es für mich stimmte. Ein Gefühl von Freiheit.

 

Wars dir nie langweilig so alleine?

Nee. Wenn mir meine eigenen Gedanken verleideten, habe ich gelesen: „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Frey“ von Rachel Joyce. Sehr empfehlenswert.

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Welchen Challenges warst du ausgesetzt?

Es gab zwei Herausforderungen. Die Erste war: Wo schlafe ich? Es war nämlich gar nicht so einfach, einen Schlafplatz zu finden, der einigermassen versteckt und trotzdem ebenerdig war. Ich habe jeweils bis zur Dämmerung gewartet und mein Zelt erst dann aufgestellt. In der dritten Nacht habe ich auf einem Militär-Schiessgebiet gezeltet. Das habe ich aber erst am Morgen danach festgestellt. Ich lebe jedoch noch.

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Und was war die zweite Challenge?

Die Trinkwasser-Versorgung. Ich konnte ja nicht Wasser für 3 Tage mitschleppen. Einmal habe ich einen Schlauch gefunden, der aus dem Boden kam und Wasser abgab. Dieses habe ich dann abgekocht und mit Pfefferminzblättern getrunken. Ab und zu habe ich mein Fläschli auch auf Gasthöfen gefüllt. Oder bei Brunnen auf denen stand „kein Trinkwasser“. Wir sind ja immer noch in der Schweiz – da darf man das nicht zu ernst nehmen.

Was hast du als Highlight erlebt?

Sicherlich die steil abfallende Felswand des Creux du Van – das ist schon sehr beeindruckend: Über 4 Kilometer gehts 160 Meter senkrecht in die Tiefe. Aber auch die vielen Tiere, die ich gesehen habe. Um genau zu sein waren es 4 Rehe, 3 Gämsen, 2 Steinböcke, 3 Einhörnchen und etwa 1000 Kühe.

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Hoppla.

Ja man passiert schon sehr viele Kuhweiden, die dann oft auch mit Schildern gesäumt sind auf denen steht: „Achtung Mutterkühe“ oder „Achtung Stiere.“

Aber du bist nie attackiert worden? 

Während des Wanderns nicht. Aber einmal in der Nacht hörte ich plötzlich ein sehr lautes Schnauben und Röcheln neben mir. Ich habe mich natürlich im ersten Moment sehr erschrocken. Anscheinend habe ich mein Zelt also auf einer Kuhweide aufgeschlagen.

Wie hast du reagiert?

Ich dachte, es ist am besten, wenn ich mich still verhalte und bin einfach in die Mitte des Zeltes geflüchtet und habe abgewartet, bis die Kuh wieder abzog. Hat funktioniert.

Gabs noch andere so lustige Vorkommnisse?

Also einmal bin ich an einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo vorbeigekommen und habe spanische Gastarbeiter reden gehört. Da habe ich sie direkt auf Spanisch angesprochen. Die waren auf jeden Fall ziemlich überrascht.

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Welche Erkenntnis hat dich überrascht?

Dass das Runterlaufen anstrengender ist als das Rauflaufen – insbesondere mit einem schweren Rucksack und schliffrigen Wanderwegen.

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Was hat sich als besonders nützlich erwiesen?

Mein Isländerpulli. Der gibt nicht nur superwarm, sondern ist auch wasserabstossend und hat wenig Gewicht.

Was würdest du nächstes Mal anders machen?

Weniger Essen mitnehmen! Ich schätze, ich hatte 2-3 kg dabei. Vor allem Käse, Pumpernickel, Nüsse, Dörrfrüchte und Buchstabensuppe. Die Auswahl war gut – nur eben viel zu reichlich.

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Merci Laura fürs Interview! 

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