Bikini-Walk bei Minus 15 Grad

Viele von uns machen gerne Sauna. Mehrere Minuten bei 95 Grad schwitzen? Geil. Aber das Umgekehrte – sich freiwillig extremer Kälte aussetzen – das tun die Wenigsten. Eine davon ist Gerda (29), die diesen Winter eine Woche in Polen war und an einem Kältetraining teilgenommen hat. Wir haben mit ihr gesprochen.

Von Angelika Imhof

Gerda, was für ein Kältetraining war das genau?

Es war eine Winterexpedition nach der Wim Hof Methode. Es wird gelernt, wie extreme Kälte in Kombination mit mentalem Training und der richtigen Atemtechnik ausgehalten werden kann.

Wie bist du darauf gekommen, an einer solchen Winterexpedition teilzunehmen?

Eine Freundin von mir hat mich inspiriert: Sie lebt in Arosa und schlägt sich im Winter jeweils ein Loch in den gefrorenen See um darin baden zu gehen.

Gab es noch andere Gründe?

Ja. Wie viele Menschen habe ich bis anhin im Winter oft gefroren. Ich wollte etwas an diesem Kälteempfinden ändern. Ausserdem komme ich gerne an meine Grenzen. Ich finde, im Alltag wird man manchmal zu bequem. Es ist gut, wenn man sich ab und zu seinen Ängsten stellt. Und last but not least: Es ist natürlich gut fürs Immunsystem…

Wie hast du dich auf die Expedition vorbereitet?

Erstmal habe ich mir die gratis Wim-Hof-App heruntergeladen. In Videos werden da zum Beispiel Yoga –und Atemübungen angeleitet. Ausserdem habe ich jeden Morgen kalt geduscht: Manchmal stand ich bis zu 10 Minuten unter dem kalten Strahl.

Das kalte Duschwasser hat im Sommer noch eine Temperatur von ca. 17 Grad, im Winter misst es nur noch ca. 7 Grad.

Sonst noch was?

Ja ich ging jeweils einmal pro Woche in den Vierwaldstättersee schwimmen – im Dezember bei 7 Grad. Ab und zu habe ich mir auch in der Badewanne ein Bad mit Eis gegönnt.

Die Devise: So viele Minuten im Eiswasser sitzen, wie es Grad misst.

Wer hat denn sonst noch so an dieser Winterexpedition in Polen teilgenommen?

Das waren ganz unterschiedliche Menschen von allen Erdteilen. Zum Beispiel Sportler wie Free Divers oder ein Kung-Fu-Kämpfer. Aber auch Wirtschaftstypen, die sich gerade in einer beruflichen Neuorientierung befinden. Einer war ein professioneller Pokerspieler, einer Student, einer Koch, eine andere Autorin.

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Und das Alter der Leute?

Von Anfang 20 bis Mitte 70 gab es Teilnehmer jeden Alters.

Mehr Männer oder Frauen?

Ich würde sagen ¾ Männeranteil, ¼ Frauen.

Welches war die grösste Challenge?

Die Besteigung des Mount Sniezka (1603 M.ü.M.). Die Wetterbedingungen waren derart schlecht, das die Leiter kurz davor waren, das Ganze abzubrechen: In Badekleidern bestiegen wir den Berg bei minus 15 Grad, mit einer Windstärke von 60-80 km/h, sodass es sich wie minus 30 Grad angefühlt hat.

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Wie ist es möglich, das auszuhalten?

Der Körper kann viel mehr aushalten, als man denkt. Man muss den Leitern vertrauen, aber vor allem auch sich selbst. Und mit einer bewussten Atmung kannst du auch sehr viel erreichen.

Aber was, wenn es jemand nicht ausgehalten hätte?

Wir hatten zur Sicherheit immer unsere Kleider im Rucksack. Manche haben davon auch Gebrauch gemacht und sich etwas angezogen.

Bist du irgendwann in eine Art Delirium gekommen?

Das nicht gerade, aber auf dem letzten Abschnitt der Wanderung habe ich ein ziemliches High erlebt. Das war schon speziell.

Nun ist die Expedition vorbei. Wie begleitet dich das Kältetraining in deinem Alltag weiterhin?

Ich gehe nach wie vor einmal pro Woche im See schwimmen. Dusche morgens kalt. Und war gerade dieses Wochenende wiedermal nur in Shorts und T-Shirts auf einer Winterwanderung.

Vielen Dank fürs Interview Gerda! 

 

 

 

 

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