Diese Schweizer Dialektausdrücke fehlen im Hochdeutschen

Als Schweizerin mit deutschen Wurzeln liebe ich die deutsche Standardsprache und spreche sie genauso gern, wie mein tägliches Brot, die Mundart. Aber es gibt ein paar ganz schmerzhafte Lücken im Hochdeutschen…

Von Angelika Imhof

Gspusi

Ein Gspusi ist eine Person, mit der man etwas am Laufen hat und mit der man im Prinzip all das macht, was man mit einem/einer festen Partner/in auch tun würde, nur eben ist es per Definition keine feste Beziehung. Eine Affäre also? Nein. Affäre klingt kalt, bürokratisch, rein sexuell. Gspusi aber klingt nach Zuneigung und spielerischer Freude.

Wie eine Mischung aus Schmusen und Gspänli.

Gspusi – ein Gspänli zum Schmusen also. Klingt doch 10-mal sympathischer als Halbziehung oder Fast-Freund.

imfall

Imfall ist ein wunderbar selbstgerechtes Wort. Ein herrlicher Verstärker, der betont, dass du widerspruchslos Recht hast. Du sagst zum Beispiel: «Ich habe imfall erst gerade gestern geputzt» oder «das ist imfall richtig scheisse.» Imfall hat nichts mit «im Fall» zu tun, denn es produziert ganz und gar nicht die Frage: In welchem Fall? Imfall steht für sich, unverfroren, potent, einfach so. Es braucht keine Erklärung, warum du Recht hast oder warum etwas scheisse ist. Es ist einfach so, imfall.

Usgang

Usgang – ein hochfrequentes Wort. Während der Woche heisst es meist irgendwann: «Gahsch am Wochenend ii Usgang?», was wortwörtlich übersetzt heisst: «Gehst du am Wochenende in den Ausgang?» Hat nichts mit einem Exit-Ausgang zu tun, auch nichts mit Analverkehr. Das Wort Usgang ist das Substantiv für «weggehen, feiern gehen». Das Geniale am Begriff ist, dass er so wunderbar vage ist: Sowohl ein 16-jähriger Z-ler, als auch eine 75-jährige, rüstige Dame können in den Usgang gehen, auch wenn es für den einen bedeutet, bis zum Sonnenaufgang an einer Hip-Hop-Party steil zu gehen und für die andere, um 20 Uhr mit ihren Freundinnen einen Eierlikör zu sippen.

lötig (Kanton Luzern)

«Ich nehm die Pasta lötig.» Grossartig. Auf Hochdeutsch? «Ich nehm die Pasta ohne Sauce.» Wie unkreativ. Vielleicht könnte man noch sagen: «Ich nehm die Pasta pur», aber pur kann auch in so vielen anderen Kontexten verwendet werden. Lötig jedoch macht nur genau in diesem einen Satzzusammenhang Sinn: Ein Teller Pasta ohne Sauce. Ein höchst exquisites Wort für einen äusserst wichtigen Sachverhalt also.

Photo by sept commercial on Unsplash

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