Essend Fasten – ein Erfahrungsbericht

Nach 5 Tagen und 10 Suppen habe ich gelernt, was sanftes Fasten mit mir und meinem Körper macht, was mir am meisten gefehlt und was am meisten geholfen hat.

Von Angelika Imhof

Nachdem anfangs Jahr viele Menschen auf alkoholische oder tierische Produkte verzichtet haben, folgt im März das traditionellere Fasten. Für manche bedeutet es, einen Monat auf Süsses zu verzichten, andere machen eine Saftkur oder verzichten sogar ganz aufs Essen. Ich habe noch nie gefastet und konnte es bisher auch nie recht mit meinem Alltag vereinbaren. Dieses Jahr – unter anderem aufgrund des Homeoffices und der Möglichkeit alle Mahlzeiten zu Hause einzunehmen bzw. nicht einzunehmen – wollte ich dieses Experiment zum ersten Mal ausprobieren.

Fasting Mimicking Diet mit ProLon

Glücklicherweise ist meine Schwester sehr bewandert auf dem Gebiet und hat schon mehrere Fastenkuren hinter sich. So habe ich mich gerne auf sie verlassen, als sie mir das ProLon-Fasten als sanften Einstieg in die Praxis empfiehl. Kurz zusammengefasst soll ProLon-Fasten die gleichen positiven Effekte haben wie andere Fastenkuren (u. a. Senkung des Blutdrucks und Blutzuckers), ohne jedoch negative Begleiterscheinungen wie Hunger, Kopfschmerzen, Schwäche und Müdigkeit auszulösen. Ob sich das bewahrheitet hat, erfahrt ihr in den folgenden Abschnitten.

Vorbereitung

Einige Wochen vor der geplanten Fastenkur bestelle ich die ProLon-Box (CHF 229.-). Die Box besteht aus fünf kleineren Boxen – eine für jeden Tag – die gefüllt sind mit allen Nahrungsmitteln, die ich während einer Woche konsumieren darf. Ausserdem in der Box befinden sich eine Anleitung zum Fasten, eine Übersicht mit allen Inhaltsstoffen und eine Trinkflasche. 

1. Tag 

Nahrung

2x Nussriegel, Kräutertee, Algen-Öl-Supplement, Tomatensuppe, NR-3-Supplement, Cracker, Oliven, Minestronesuppe, Schokoladenriegel

Der Einstieg fällt mir leicht, da ich in der Regel kein Frühstück esse. Nun gibt es sogar einen Nussriegel. Am Mittag folgt eine Tomatensuppe, die ich leider etwas zu wenig lang köcheln lasse. Am Nachmittag plagen mich plötzlich Kopfschmerzen und eine ausgeprägte Kaffeelust. Ich vermute, dass die Kopfschmerzen mit dem Kaffeeentzug zu tun haben. Zum Abendessen gibt es dann wieder Suppe, die ich auffallend fad finde. Dazu Federkohlcracker, die recht trocken und bitter sind. Gegen Abend wird auch der „Gluscht“ immer grösser und ich snacke ein bisschen Salat und einen Apfel. Das steht zwar nicht auf dem Fastenplan, aber mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen.

Menü für den ersten Tag

2. Tag

Nahrung

Nussriegel, Kräutertee, Pilzsuppe, NR-3-Supplement, Oliven, Quinoasuppe, Schokoladenriegel, L-Drink

Am Morgen geht es mir tipptopp. Hunger und Appetit sind nicht vorhanden und auch die Kopfschmerzen haben sich verabschiedet. Am Mittag lasse ich die Pilzsuppe etwas länger köcheln, was sie sämiger, aber nicht salziger macht. Am Nachmittag sucht mich wieder die grosse Lust nach Kaffee heim, aber immerhin bleibe ich weiterhin von Kopfschmerzen verschont. Nach der Arbeit gehe ich für meinen Freund einkaufen, was mich weniger in Versuchung führt, als befürchtet. Nur das frische, warme Brot ist eine echte Herausforderung. Am Abend knurrt zum ersten Mal mein Magen. Zum Glück befindet sich auf dem Menü noch ein Schokoriegel. Das Manderinli befindet sich nicht auf dem Plan – essen tu ich es trotzdem.

Mein Fastenfavorit: Oliven

3. Tag

Nahrung

Nussriegel, Kräutertee, Tomatensuppe, NR-3-Supplement, Cracker, Minestronesuppe, L-Drink

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch schlafe ich schlecht. Ob das mit dem Fasten zu tun hat? Zum ersten Mal fühle ich mich körperlich relativ schwach. Mich plagt weniger der Hunger als die Lust auf „richtige“ Nahrung. Die Suppen habe ich langsam satt. Am Nachmittag stelle ich gewisse Konzentrationsprobleme fest. Ich tausche mich mit meiner Schwester aus, die die gleiche Fastenkur macht. Sie rät mir, mich mehr zu bewegen. Das habe ich bisher eher vermieden, weil ich dachte, es raubt mir zu viel Energie. Aber meine Schwester meint, es bewirke genau das Gegenteil. Also gehe ich Schlittschuhlaufen, Spazieren und Velofahren. Das hilft tatsächlich, ich fühle mich fitter ohne zu schwächeln. Am Abend bin ich mit meinem Freund unterwegs und ihn packt der Hunger, sodass er sich einen Burger und Pommes gönnt. Ich sippe an meinem Zitronentee und schaue meistens aus dem Fenster.

Tägliches Frühstück: Nussriegel

4. Tag

Nahrung

Nussriegel, Kräutertee, Gemüsesuppe, NR-3-Supplement, Oliven, Quinoasuppe, Schokoladenriegel, L-Drink

Auch die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag schlafe ich nur mässig gut. Meine Schwester informiert mich, dass sich ihre Messwerte (Puls, Blutdruck, Blutzucker) allesamt verbessert haben. Ich habe keine Messgeräte zuhause, aber nehme an, dass es bei mir ähnlich ist. Heute läufts gut – ich habe weder Hunger noch Konzentrationsprobleme. Die Suppen kommen mir nun weniger fad vor als zu Beginn der Fastenkur. Beim Apéro mit dem Team muss ich mit meiner Wasserflasche anstossen – alle anderen trinken Bier. Ich merke, dass mir in dieser Woche generell weniger nach Socialising zumute ist, einfach weil ich nicht so Lust habe, zu verzichten, wenn andere konsumieren.

Quinoasuppe, NR-3-Supplement, Oliven

5. Tag

Nahrung

Nussriegel, Kräutertee, Algen-Öl-Supplement, Tomatensuppe, NR-3-Supplement, Cracker, Minestronesuppe, L-Drink

Der letzte Fastentag nach einer Nacht mit leichtem Schlaf startet. Wie gewöhnlich läuft es am Morgen richtig gut und ich denke kaum ans Fasten oder Essen. Ich befinde mich nun auf dem Schlussspurt, das motiviert. Ich spaziere eine Stunde und fahre mit dem Velo durch die Stadt. Zum Abschluss gibt es noch mal Federkohlcracker, aber ich kann die Dinger nicht mehr sehen und verzichte auf die letzten zwei Stück. Auch auf die Suppen habe ich absolut keine Lust mehr. Fast würde ich lieber gar nichts essen, als schon wieder Suppe. Interessanterweise setzt der Hunger bei mir häufig erst nach dem Suppenessen ein. Am Freitagabend bin ich zufrieden mit mir und freue mich auf den Brunch am nächsten Morgen. 

Der Morgen danach

Fazit

Das ProLon-Fasten ist definitiv machbar und das Versprechen, dass man nicht zu hungern braucht, hat sich eingelöst. Das Hungergefühl ist nur ab und zu durchgebrochen, aber auch dann nur moderat und war gut aushaltbar. Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme hatte ich zwar in Abschnitten, aber auch das ging wieder vorbei und hat mich nicht massgeblich in meinem Alltag beeinträchtigt. Am meisten gefehlt hat mir der Kaffee. Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich nun ab und zu ganz bewusst auf Kaffee verzichten, damit mein Körper nicht gleich Entzugserscheinungen zeigt, wenn er mal fehlt. Meine Schwester, die die ProLon-Kur schon zum zweiten Mal gemacht hat, stellte fest, dass es einfacher ist, wenn man sich bewegt und draussen aufhält. Sie musste in der Fastenwoche viel am Laptop arbeiten und fand das Fasten um einiges anstrengender als das letzte Mal, als sie während des Fastens viel in der Natur war. Die ProLon-Fastenbox ist sehr benutzerfreundlich und gut aufbereitet, allerdings ist sie nicht ganz billig und am Ende der Woche kommt relativ viel Verpackungsmüll zustande. 

Abschliessend kann ich sagen, dass ich die Fastenerfahrung durchaus positiv empfand. Körperlich habe ich keine grossen Veränderungen an mir festgestellt, aber ich war auf jeden Fall stolz, dass ich es durchgezogen habe und es war interessant zu sehen, dass ich auch mit relativ wenig Energiezufuhr problemlos funktioniere.

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