Über das Nichttun und verpasste Chancen

Während andere ein Start-up gründen, die Fahrprüfung bestehen, oder an einem internationalen Wettkampf teilnehmen, schlagen wir uns durch den Dschungel des Alltags und versuchen nicht darin verloren zu gehen.

Fehlt uns etwa der Mut die grösseren Projekte und Träume in Angriff zu nehmen, weil nur Perfektion akzeptiert wird? Sind wir schlicht zu faul und erledigen lieber die kleinen, übersichtlicheren Aufgaben zuerst? Warum verschieben wir unsere Leidenschaften immer und immer wieder auf die Zukunft?

Von Olivia

Was ist deine Leidenschaft? Wofür begeisterst du dich? Stell dir vor du bekommst morgen den ganzen Tag frei, womit füllst du diese Stunden?

Was willst du mal werden?

Wahrscheinlich hat jeder von uns die Frage: „Was willst du später einmal werden?“, schon dutzende Male beantwortet. Pilot, Schauspielerin, Sänger, Profisportlerin, Koch, Tierärztin. In unserer Fantasie sahen wir uns mit der Medaille auf dem Podest stehen und in die Kamera grinsen, wir sahen uns umringt von Werkzeugen, Holz und Skizzen in der Werkstatt tüfteln, sahen uns als Schiffskapitän übers tiefblaue Meer steuern. Oder sowas in der Art.

Vielleicht folgten wir tatsächlich eine Zeit lang dem Weg in Richtung dieses Ziels. Wir belegten einen Schauspielkurs, schrieben uns für den Gitarrenunterricht ein, trainierten mehrere Male die Woche auf dem Fussballplatz. Alles war möglich.

Die Leidenschaft? Ertrunken.

Irgendwann hatten wir jedoch nur noch sporadisch Zeit für den Fotografiekurs. Das Volleyballtraining mussten wir immer häufiger absagen. Heute bleibt nach dem anstrengenden Tag auf der Arbeit oder in der Uni und den vielen kleinen Alltagsbesorgungen leider wirklich keine Energie mehr übrig für die Entwicklung der neuen App über die wir schon lange nachdenken, oder das Verfassen dieser Kurzgeschichtensammlung. Die Energie reicht höchstens für ein paar Episoden der neuen Staffel House of Cards, oder ein paar Stunden des sich-treiben-lassen im social media Ozean.

Wahrscheinlich haben wir unsere Leidenschaften inzwischen irgendwo zwischen Freizeitstress und Alltagsproblemen verloren. Sie sind versickert. Verblasst. Oder nein, sie sind ertrunken im Müll und Krempel des Alltags.

Die Qual der Wahl

So viele Möglichkeiten. So viele Chancen. Es kann gut sein, dass diese Fülle an Möglichkeiten uns überfordert. Das ist ein Luxusproblem, klar, wir sollten es jedoch trotzdem ernst nehmen, wenn wir unsere Entscheidungen eigenständig und bewusst fällen wollen. Oft fühlt man sich ob der Vielzahl an Möglichkeiten wie gelähmt. Die Auswahl ist so gross, dass wir nach ewigem hin und her am Schluss gar keine Entscheidung mehr fällen können.

Doch: Wenn wir uns nicht entscheiden, werden es die anderen für uns tun. Um dieser Fremdbestimmung zu entgehen, sollten wir uns auf das konzentrieren was wir wirklich wollen. Auf das, worin wir wirklich gut sind.

Nun, worin bist du wirklich gut? Überall wo du mit Begeisterung, mit vollem Einsatz und Leidenschaft dabei bist. Wir sollten uns dorthin treiben lassen, wo es uns natürlicherweise hinzieht. Anstatt zu resignieren und der Ohnmacht zum Opfer zu fallen, sollten wir einen Schritt machen. Die Richtung ist egal, denn die Richtige wird sich von alleine einstellen.

Morgen, morgen

Leider sind wir sehr gut darin, das verfolgen unserer Leidenschaften auf die Zukunft zu verschieben, exakter Zeitpunkt: ungewiss.

Bevor wir endlich unser Start-up planen, müssen wir leider noch den Müll rausbringen, das Bett beziehen und sowieso die ganze Wohnung mal wieder putzen. Bevor wir uns ans Klavier setzen und diesen besonders verzwickten Abschnitt üben, surfen wir lieber ein wenig auf Zalando, bestellen dutzende Sachen die wir eh nicht brauchen.

Die uns wirklich wichtigen und eigentlichen Projekte verschieben wir meist auf das Morgen. Stattdessen erledigen wir dutzende kleine Aufgaben, von denen wir denken, sie seien wichtig und absolut dringlich. Wir denken: Sobald ich das und das erledigt habe, kann ich mich meiner Leidenschaft widmen. Falsch! Denn immer und immer wieder werden neue Aufgaben unsere To-do Listen füllen. Aufgaben, die genauso gut einen Tag hätten warten können. Aufgaben, die uns nicht weiterbringen, weil sie nichts Neues schaffen und mit unseren Zielen nichts zu tun haben.

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Warten. Auf den richtigen Moment.

Tun vs. wirklich tun

Natürlich sind nicht alle unsere To-do’s unwichtig. Aber wir sollten unterscheiden. Sehr beschäftigt zu sein heisst nämlich nicht automatisch tatsächlich etwas zu tun. Viele dieser täglich zu erledigenden Dinge sind weder dringend noch relevant und werden uns nicht weiterbringen, sondern lediglich leer und erschöpft zurücklassen.

Würden wir diese Dinge identifizieren und sie Stück für Stück aus unserem Alltag schubsen, könnten wir vielleicht unseren Träumen und Projekten endlich die Aufmerksamkeit geben, die sie verdient haben. Wir könnten anfangen zu erschaffen, zu schaffen, zu tun.

Beitragsbild: Yael Anders, visit her website: http://www.amedring.com/yael/

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