Marrakesch. Ein Portrait.

Postkartenschreiber: Max Muster

Hallo Alle

Wir waren hier und es war sehr schön. Zum Glück war das Wetter besser als in der Schweiz. Es gab gutes Essen. Und guten Wein. Ich hoffe euch geht es auch gut.

Sonnige Grüsse aus Marrakesch

Oder: Wie fängt man einen Artikel an, welcher dem wunderbar-quirligen Marrakesch gerecht wird? Ich werde mein Bestes geben, euch diese orientalische Stadt auf originelle Weise vorzustellen.

Von Olivia Grubenmann

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Anfängliche Skepsis

P1: „Was? Nach Marokko? Geht doch lieber nach Spanien. Oder Italien. Oder so.“

P2: „Marokko? Aber wirst du da als Frau nicht ständig blöd angemacht?“

Und so weiter und so fort. Die Reaktionen auf unseren Entscheid nach Marokko zu reisen waren so vielfältig wie die Auswahl an Duschgels im Supermarkt. Überwiegend waren es kritische Stimmen, nur wenige reagierten begeistert. Schlussendlich hatten es die Leute geschafft, mich zu verunsichern. Wie schade eigentlich, denn während der ganzen Reise kam es zu keiner einzigen brenzligen Situation. Im Gegenteil: Die Menschen waren so gastfreundlich wie ich es in der Schweiz selten erleben konnte.

Marrakesch ist neben Fès, Rabat und Meknès eine der vier Königsstädte.

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Riads

In Marrakesch wohnten wir in einem traditionellen Riad. Solche findet man in allen Altstädten (Medinas) von Marokko. Ein traditionelles Riad besteht meist aus etwa zwei bis drei Stockwerken und ist um einen Innenhof angelegt, oft auch mit einem Springbrunnen oder einem kleinen Pool in der Mitte. Was ziemlich cool ist: Fast alle Riads besitzen eine Dachterrasse, auf der es sich wunderbar frühstücken, sonnenbaden, oder romantisch dinieren lässt. Früher waren die Terrassen übrigens den Frauen vorbehalten.

Weil die Riads mit ihren hohen, steinernen Mauern von aussen sehr schlicht – fast schon kahl – wirken, kann man sich nur schwer vorstellen, welch prachtvolle Welt sich hinter der Fassade befindet. Ausserdem: Du solltest dir ernsthaft überlegen ein Riad zu kaufen. Die sind nämlich gerade hoch im Kurs! Während sich bis vor kurzem kaum einer für sie interessierte, werden sie heute von Europäern und wohlhabenden Marokkanern aufwändig restauriert und als Gasthäuser hergerichtet.

Marrakesch wird auch rote Stadt genannt.

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Gewürze & Spezialitäten

  • Was probieren?

Couscous und süssen Minzentee. Mein Reisebegleiter würde mir wohl beim Couscous widersprechen (wohl aus dem Grund weil die Portionen enorm sind und man sich am Schluss, sprich, in der Hälfte, für die nächste Stunde nur noch kugelnd fortbewegen kann). Aber in Massen genossen ist Couscous echt toll! Das traditionelle Berbergericht aus Hartweizen, Gerste oder Hirse wird oft mit Fisch, Fleisch oder Gemüse kombiniert gegessen.

Um mindestens eine Tasse Minzentee kommt man ausserdem kaum herum. Er wird einem fast überall und zu jeder Tageszeit angeboten.

In Marrakesch kostet fast alles. Sogar das Fotografieren von Gauklern, Affenhalten und Schlangenbeschwörern, oder die Auskunft von Wegbeschreibungen.

 

Von A nach B. Wie?

  • Schweiz – Marrakesch:

Also mal von Anfang an. Nach Marrakesch gibt es täglich Flüge ab Basel, Genf und Zürich nach Marrakesch. Je nachdem wie flink man im Umgang mit Flugvergleichsportalen ist zahlt man zwischen 200 bis max. 500 Franken für einen Roundtrip.

  • Vor Ort

Für weite Strecken fährt man am besten mit einem Bus (CTM oder Supratours, wenn du nicht so auf willkürliche Abfahrtszeiten und stickige Luft im Bus stehst). Wir haben den Härtetest für euch gemacht und satte 7.5 h von Essaouria nach Casablanca im Bus überstanden. War gar nicht so schlimm, ich würde sogar behaupten sehr spannend.

Für kurze Strecken sind vor allem die Petit Taxis geeignet. Den Taxipreis sollte man allerdings unbedingt vor dem Einsteigen abklären.

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Sights

  • Unumgänglich: Djemaa el Fna

Die Hauptattraktion inmitten der Altstadt von Marrakesch ist die Djemaa el Fna. Sie kann dich entweder mit ihren Schlangenbeschwörern, Geschichtenerzählern und Affenhaltern vom Hocker hauen oder dich deiner letzten Nerven berauben. Dieser mittelalterliche Markt- und Henkersplatz ist nämlich keine leichte Kost, insbesondere, wenn du ihn wie wir mit zwei Koffern, Handgepäck und Wertsachen spätabends überqueren musst um dein Riad in einer der tausenden, verwinkelten Gassen zu finden.

  • Spannend: Suqs

Die Suqs! Klingt echt exotisch und spannend? Ist es auch! Diese Basarstrassen sind zwar eine beliebte Touristenattraktion, aber das sollte uns nicht davon abhalten da trotzdem hinzugehen. Ja, wahrscheinlich sind wir ein paarmal im Kreis gelaufen, und ja, wahrscheinlich haben uns einige der Händler mit ihren (für uns eigentlich tiefen) Preisen über den Tisch gezogen, aber, wir hatten echt Spass!

Wir stiessen sogar auf einen Gewürz- und Heilmittelverkäufer der deutsch sprach. Er führte uns durch seinen Laden, erklärte uns unzählige seiner hundert Dinge-in-Gläsern-auf-Regalen und lud uns auf eine Tasse Minzentee ein.

  • Augenschmaus: Koranschule, Moscheen, Dachterrassen

In der Altstadt bewegt man sich nur zu Fuss fort. Oder mit dem Esel. Oder der Schubkarre. Oder dem Mofa. Von diesen Optionen rate ich dir jedoch herzlich ab. Die Marokkaner halten es nicht so mit Gemütlichkeit im Strassenverkehr.

Einer der schönsten Orte auf unserer Stadtwanderung war eindeutig die Koranschule Medersa Ben Youssef. Während rund 400 Jahren diente dieses prunkv0lle, mosaikverzierte Gebäude als Gebetsschule. Und hey: Sogar die Toiletten sind eine handwerkliche Meisterleistung.

Zum Schluss noch ein Wort zum perfekten Ausklang eines aufregenden Tages: Such dir vor Sonnenuntergang eine Dachterrasse aus (davon gibt es zuhauf), bestell dir einen erfrischenden Drink (ja, an einigen moderneren Orten wird auch Alkohol ausgeschenkt), und rücke deinen Stuhl ganz nah ans Geländer, dein Gesicht der Sonne entgegen. Dem perfekten Sonnenuntergang steht nun nichts mehr im Weg.

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