Wie viele Dinge brauchen wir? (Besitz Nr. 1/2)

10’000 Gegenstände hat ein Haushalt in Europa heute durchschnittlich. Klingt nach enorm viel. Brauchen wir all diese Dinge? Und vor allem: Welche Auswirkungen hat diese Anhäufung von Dingen auf unsere Lebensqualität und Umwelt?

Von Olivia Grubenmann

 

Wir Jäger und Sammler

Gehen wir ein paar Jahrhunderte, ja, ein paar Jahrtausende zurück. Um zu überleben, mussten die Menschen sich möglichst üppig mit Vorräten eindecken. Was verfügbar war wurde gehortet. Verständlicherweise. Auch nach all den Etappen in der Geschichte der Menschheit wie z.B. dem Sesshaftwerden, der Industrialisierung, aber auch Tiefschlägen wie Naturkatastrophen und Kriegen, sind wir noch heute unter all den zivilisierten Schichten die Jäger und Sammler von damals.

Das 21. Jahrhundert steht für sammeln, besitzen und anhäufen, kurz: für Konsumismus.  Doch bei einer Weltbevölkerung von beinahe 7,5 Milliarden Menschen können wir uns dieses Verhalten eigentlich gar nicht mehr leisten. All die Billigwaren, die unendliche Auswahl an Lebensmitteln in den Supermärkten: unser Konsumverhalten versklavt Millionen von Menschen und zerstört die Natur. Wir wissen das.

Warum ändern wir trotzdem nichts? Weil wir nur eine winzige Person auf dieser grossen Welt sind, sagen wir uns. Die Regierungen müssen etwas verändern. Die grossen Organisationen. Die Amerikaner. Die Chinesen. Einfach die Anderen halt. Wie einfach es ist Verantwortung abzuschieben.

20160413_101714-2

Teufelskreis – Arbeit und Konsum

Für viele Leute stellt das Leben ein einziger Kreislauf aus Arbeit und Konsum dar. Ja, viele von uns sind aufgrund ihres übermässigen Konsumverhaltens sogar verschuldet und müssen erst einmal hart arbeiten um ihr Leben im Überfluss finanzieren zu können. Es scheint, als gebe es in der westlichen Welt nur einen Gedanken:

Kauf dies, es macht dich glücklich!

Und so akkumulieren wir Ding um Ding, füllen unsere Wohnungen mit Gegenständen die wir nicht brauchen und unsere Herzen mit dem Verlangen nach immer mehr, von was auch immer gerade angepriesen wird.

Was brauche ich?

Natürlich, das ist nicht das komplette Bild des westlichen Menschen. Aber mal ehrlich: Wenn wir uns in unserem Zimmer oder unserer Wohnung umschauen, wie viele von all den Sachen brauchen wir wirklich? Und wie sieht es mit dem Produktionshintergrund der Dinge aus? Brauchen wir 20 T-shirts? 15 Paar Schuhe? Einen Pullover in jeder erdenklichen Farbe? Jedes Jahr ein neues Handy? Können wir wirklich hinter dieser ultragünstigen Tasche made in Bangladesh stehen? Was bedeutet die immense Auswahl an Produkten in den grossen Supermärkten auf der ganzen Welt?

Wie viel wird wohl weggeworfen, nur weil es 24/7 für uns verfügbar sein muss, obwohl wir sowieso niemals alles davon kaufen können – und sollen?

Dies sind alles keine neuen Fragen, dennoch sollten wir sie uns immer wieder aufs Neue stellen, da sie ansonsten in unserem Alltag unterzugehen drohen.

Gegentrends: Minimalismus und Zero Waste

In den industrialisierten Gesellschaften (welche ja hauptsächlich für dieses ganze Desaster verantwortlich sind), sind seit einigen Jahren Gegenbewegungen auszumachen. Immer mehr Menschen fühlen sich regelrecht erdrückt vom Wahnsinn der Massenproduktion und dem unersättlichen Konsumverhalten ihrer selbst und dem ihres Umfelds.

Einige haben sich zum Beispiel dem Minimalismus-Trend verschrieben und streben an, mit möglichst wenigen, qualitativ hochwertigen Dingen auszukommen. Immer häufiger liest man auch von „Zero Waste„. Anhänger dieser Bewegung versuchen ein Leben ohne Abfall zu führen.

Diese Bewegungen sind vor allem in den westlichen Gesellschaft zu beobachten. Weil wir es uns leisten können? Weil wir die Wahl haben? Weil wir unter unserer eigenen Konsumsucht leiden? Schliesslich ist es ein Privileg sich gegen Besitz entscheiden zu können. Eine Familie mit wenigen Mitteln und wenig Perspektive auf Besserung hat diese Option gewiss nicht.

 

Beitragsbild: Zimmer von Cheyenne Oswald.

1 Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s