Worst Dates: Zugetextet #3

Bis jetzt haben wir euch aus unserer persönlichen (weiblichen) Erfahrungswelt berichtet. Zeit, dass auch ein Mann zu Wort kommt – Dominik* (26) erzählt von seinem schlimmsten Date.

Aufgezeichnet von Olivia Grubenmann

„Wie fast jede Person hatte ich mal meine Dating-App Zeit. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Dating Seiten, aber leider hatte ich nie gute Dates. Ich muss zugeben, dass ich nicht der Beharrlichste war und nach drei schlechten Dates die Suche nach Liebe wieder eingestellt habe. Ironischerweise habe ich sie danach prompt gefunden. Ganz im Sinne von:

„Es kommt dann, wenn man es am Wenigsten erwartet.“

Aber zurück zur Geschichte. Für diesen Artikel versetze ich mich in Gedanken noch einmal in eines dieser drei Dates zurück. Ich traf sie über die App „Spotted“. Eine App, die dir sozusagen deine verpassten Chancen jemanden anzusprechen verzeiht und dir eine zweite offeriert, indem du die „Profile“ liken kannst, welche tagsüber an dir vorbei gelaufen sind. Bei einem Match zweier Profile öffnet sich dann ein Chat-Fenster.

Da ich finde, dass sich die Person, welche man übers Schreiben kennenlernt, meistens sehr von der realen Person unterscheidet, wollte ich mich immer möglichst schnell auf ein Date verabreden. Wir haben uns also in einer Bar im Niederdorf getroffen. Zu Beginn war ich eigentlich positiv beruhigt, da mein Date sich als sehr gesprächig herausstellte. Es gibt ja kaum etwas Schlimmeres, als wenn man mühsam um Worte der Gegenperson kämpfen muss, und sich mit „Ja“, „Nein“ und „Ich weiss nicht“ begnügen muss.

Schnell merkte ich jedoch, dass sie sich unheimlich gerne selbst beim Reden zuhörte. Jeder Versuch ein diskursives Gespräch aufzugleisen, prallte an ihr ab. Sie hielt den Sprechstock so fest wie ein Hund, der sein Stöckchen nicht einmal für ein Goodie hergeben möchte. Zwei Stunden später konnte ich ihre gesamte Pfadi-Laufbahn chronologisch auflisten, da sie kein einziges Pfadilager, Pfadispiel oder eine einzige Pfadianekdote ausgelassen hatte.

rawpixel-411170-unsplash

Sie: „Ah und letzten Sommer waren wir für zwei Wochen im Sommerlager in Hinterpfupfingen. Da gingen wir direkt am Waldrand zelten und waren etwa 10 Leiter und 30 Kinder. Es war gerade diese Zeit als wir in der Schweiz solch eine Hitze hatten…“

Ich: „Oh ja das war bestimmt ein Abenteuer. Genau zu dieser Zweit bin ich mit dem Zug durch Europa gereist…“

Sie: „Ja, und weisst du, dort in Hinterpfupfingen, haben wir einmal so ein Spiel gespielt…“

Man kann mir nicht vorwerfen, ich hätte es nicht versucht. Aber nach zwei Stunden gab ich auf, erfand einen Grund um sobald als möglich zu gehen. Als die Rechnung kam und die Bedienung mich erwartungsvoll anschaute (Gleichberechtigung und so?), war es dann das erste Mal, dass von meinem Date kein Mucks kam. Ich sah sie an und zögerte, doch sie schaute weg. So viele Pfadispiele wie sie mir den Abend über auch beigebracht haben mag – das Spiel um die Rechnung mochte sie nicht kennen.

Na gut, seufzte ich, und bezahlte die Drinks.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s