Sommerferien in der Schweiz: Trekking und Wildcampen

7 Tage wandern. 75,3 km. 4586 m bergauf und 3768 m bergab. Und das mit 15 kg Gepäck auf dem Rücken. Das ist etwa so viel wie ein 4-jähriges Kind im Durchschnitt wiegt. Oder ein Andenkondor, der grösste und schwerste Raubvogel der Welt. Just sayin‘.
Hat es sich gelohnt? Und wie! Übernachtungen an wunderschönen Bergseen. Atemberaubende Landschaften. Das tolle Gefühl, wenn man den Gipfel erklommen hat und dahinter das weite Tal auftaucht. Und das unbezahlbare Gefühl, ganz im Moment und weit weg von der Hektik des Alltags zu sein. Hier verraten wir dir unsere besten Tipps und Essentials für dein nächstes Trekking-Abenteuer!

Von Olivia Grubenmann

Natürlich kann man statt Zelt, Isomatte, Gaskocher und Proviant mitzuschleppen auch in Berghütten übernachten und damit die Tour mit halb so viel Gewicht machen. Aber ganz ehrlich? In der Abenddämmerung irgendwo im nirgendwo mit dem selbstgekochten Gemüserisotto neben einem plätschernden Bergbach zu sitzen und am nächsten Morgen aus dem Zelt zu kriechen, um sich das Gesicht mit dem eiskalten Wasser zu waschen – das macht die ganze Schlepperei dann doch irgendwie wert!

Unsere Route
Brig – Gibidumsee – Simplonpass – Rothwald – Saflischpass – Sickerchäller – Binn – Binntalhütte – Lago Vannino – Ponte

Hier geht’s zur Route auf Outdooractive.

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Gibidumsee, Wallis

Essentials
Ist man mehrere Tage mit Gepäck unterwegs, zählt jedes Gramm. Das haben wir vor der Tour immer wieder gelesen und wir mussten lernen, dass das absolut nicht übertrieben ist. Falls du auch einmal eine mehrtägige Tour unternehmen möchtest, findest du hier eine praktische Packliste.
Neben den offensichtlicheren Dingen wie Zelt, Schlafsack und Isomatte, können wir euch folgende Dinge wärmstens empfehlen:

  • Handwärmer (pocket warmer)
  • Flip Flops (damit du nicht wie ich den ganzen Abend in Wanderschuhen herumlaufen musst und bei jedem Gang aufs Klo über deine Schnürsenkel stolperst)
  • Kleine (Plastik)säckchen (für Abfall und Krimskrams)
  • Grosser Sack (als Sitzunterlage, „Handtasche“, Trocknungsunterlage, u.v.m.)
  • Feuchtigkeitscreme (in der Höhe trocknet die Haut schnell aus)
  • T-Shirt zum Wechseln (du wirst froh sein, aus deinem verschwitzen Sportshirt rauszukommen)
  • Traubenzucker (wenn dich ein Energie- oder Motivationstief einholt)
  • Umweltverträgliches Universalwaschmittel (für Körper, Haare, Geschirr und Kleider. z.B. 18-in-1 von Dr.Beonner)
  • Leistungsstarke Powerbank
  • Blasenpflaster und Muskelcreme
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Zwischen Binntalhütte und Lago Vannino

Unsere Top 7 Tipps & Tricks

1.App Outdooractive
Was hätten wir nur ohne diese geniale App gemacht! Mit Outdooractive kannst du deine Route ganz einfach planen, erweitern und downloaden. Zudem findest du Inspiration für Touren, Unterkünfte und vieles mehr.
Auch ganz praktisch: Unterwegs siehst du immer, wo du dich gerade befindest und kannst zum Beispiel dank dem Höhenprofil sehen, wie lange diese steile Etappe noch andauert.

2. Individuelle Schnürtechnik
Nach drei Tagen drückten meine Schuhe so sehr, dass ich dachte, ich könnte nicht mehr weiterlaufen, weil meine Zehen bei jedem Schritt gegen die Schuhspitzen prallten. Zum Glück fanden wir einen hilfreichen Artikel mit Schnürtechniken für jede Gelegenheit: Für zu kleine Schuhe oder zu grosse, bergauf oder bergab, bei Verletzungen oder Druckstellen. Das Leiden hat ein Ende!

3. Trekkingfood
Gefriergetrocknete Mahlzeiten sparen viel Platz und Gewicht und sind überraschenderweise wahnsinnig lecker! Einfach Wasser auf dem Gaskocher erhitzen, darüber giessen, ziehen lassen und geniessen.
Wir haben uns auf Bergfreunde eingedeckt. Da gibt es alles von Gartengemüse-Risotto mit Avocadomousse, über Pasta mit Vegi-Bolognese bis hin zu Curry mit Chicken. Für den Hunger zwischendurch haben wir uns mit Nüssen, Kernen, Cracker, Trockenfrüchten und Sesamriegeln verpflegt. Als idealer Mittagssanack haben sich Instant-Noodles bewährt.

4. Flasche mit Wasserfilter
Es gibt spezielle Flaschen, mit integriertem Wasserfilter, welche nicht nur Bakterien, Protozoen, Chlor und Pestizide filtern, sondern auch schlechten Geschmack eliminieren. So kannst du bedenkenlos aus jedem Bergbach, See oder Fluss trinken. Diese hier war unsere treue Begleiterin.

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Val Formazza, Italien
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Campen am Gibidumsee, Wallis

5. Isomatte und Zelt
Es lohnt sich, in eine gute Isomatte und ein leichtes, kompaktes Zelt zu investieren. Wenn die Isomatte zu dünn ist, liegst du am nächsten Morgen auf dem Boden. Das kann ganz schön schmerzen. Und glaub mir, ausgeschlafen läuft es sich leichter und fröhlicher 😉 Nach einer ausgiebigen Recherche hat bei mir diese Isomatte das Rennen gemacht – und mich nicht enttäuscht.
Beim Zelt haben wir wohl etwas danebengegriffen, deswegen hier eine generelle Empfehlung: Jedes Zelt, das mehr als 2.5 kg wiegt, wirst du verfluchen. Auch das Packmass ist entscheidend. Im Idealfall sollte es in den Rucksack passen, damit du es nicht umständlich aussen festbinden musst.

6. Podcast herunterladen
Bei langwierigen oder besonders steilen Strecken haben wir uns die Kopfhörer aufgesetzt und uns von einem Podcast davontragen lassen. Unglaublich, wie viel es ausmacht, wenn man sich auf eine beruhigende Podcaststimme, ein spannendes Thema oder eine Comedyshow konzentrieren kann! So ist die Strecke ruckzuck vorbei und Anstrengung, Hitze und schmerzende Muskeln treten in den Hintergrund.
Unsere Empfehlungen:

  • Philosophize This! (auch auf Spotify) – Die wichtigsten Philosoph*innen und grossen Fragen einfach und unterhaltsam verpackt. Wer weiss, vielleicht erlangst du auf dem Gipfel die Erleuchtung?
  • The Tim Ferris Show (auch auf Spotify) – Erfolgreiche Menschen aus dem Sport-, Kunst-, Politik- oder Musikbusiness erzählen über ihre Lieblingsbücher, Morgenroutinen, Zeitmanagementtricks etc.

7. Wildcampen

Die Regelungen bezüglich Wildcamping sind in der Schweiz von Kanton zu Kanton verschieden. Grundsätzlich wird wildcampen toleriert, wenn:

  • du oberhalb der Waldgrenze / über 2000 m ü. M. campierst
  • nur eine einzelne Nacht bleibst
  • den Platz so verlässt, wie du ihn vorgefunden hast
  • dich nicht in einem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet befindest
  • und nicht zu nah an einer Berghütte biwakierst

Mehr Informationen findest du auf der SAC Seite.

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Wildcamping nahe Sickerchäller, Wallis

3 Dinge, die wir gerne schon vor der Tour gewusst hätten

  • Nicht zu steil starten: Top-motiviert sind wir am ersten Tag losmarschiert. Noch frisch geduscht, mit viel Energie und mit einer guten Portion Schlaf. Da wir ein bestimmtes Ziel definiert hatten, wo wir unser Zelt aufschlagen wollten, bissen wir die Zähne zusammen und liefen weiter, selbst als wir so erschöpft waren, dass wir nach jedem zehnten Schritt eine kurze Verschnaufpause einlegen mussten. Dazu kam, dass wir irgendwann kein Wasser mehr hatten und wir auf der Karte sahen, dass wir bis zum Ziel (dem Gibidumsee) an keinem Gewässer mehr vorbeikommen würden. So hatten wir keine andere Wahl, als weiterzugehen.
    Auch am zweiten Tag machten wir den Fehler, uns an den Zeitangaben auf den Wegweisern zu orientieren. Doch wir hatten ausgeblendet, dass diese Angaben wohl eher nicht 15 kg Gepäck einrechneten, und wir brauchten wiederum viel länger für die Strecke. Fix und fertig kamen wir bei unserem zweiten Übernachtungsplatz an. Fast hätten wir das ganze Vorhaben hingeschmissen. Aber ein grosses Bier, ein stärkendes Abendessen und ein paar motivierende Worte später gaben wir dem Ganzen noch eine Chance. Dieses Mal aber legten wir fest, dass wir nicht mehr als vier bis fünf Stunden am Tag laufen würden.
  • Solarcharger taugen nichts:  Ich habe mir extra einen gekauft. Sogar ein Kompass, ein Karabiner und eine Taschenlampe waren dran. Während all diese Extra-Features sicher durchaus nützlich sein können, war die Powerbank selbst vor allem eines: Nutzlos. Obwohl jeden Tag für mehrere Stunden die Sonne schien, lud der Akku kein bisschen.
  • Bargeld dabeihaben: Denn, Geldautomaten sind in den Bergen nur spärlich gestreut. Schweizerfranken hatten wir zum Glück genug dabei, aber Euros hatten wir blöderweise nur wenige Münzen.
    Am letzten Tag unserer Trekkingtour erreichten wir die Hütte am Lago Vannino und unsere Befürchtung bestätigte sich: Kartenzahlung war nicht möglich. Zum Glück war der Hüttenwirt sehr freundlich und verkaufte uns für einen Euro einen Krug voll heisses Wasser für unsere Trekkingnahrung (unser Gaskocher war am Tag davor ausgestiegen). Ansonsten wären wir wohl mit knurrendem Bauch in unserem Schlafsack eingeschlafen.
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Lago di Dévero, Italien

 

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